Fruchtstück

Wintercamping mit dem Fruchtstück

Als Erstes stellt sich überhaupt einmal die Frage, ob ein Kastenwagen überhaupt zum Wintercamping geeignet ist. Die ganz eindeutige Antwort auf diese Frage ist ein klares JA.

Wirklich ein JA? Denn im Gegensatz zur Weißware ist der Kastenwagen ein Serienfahrzeug, welches innen nur ein wenig Isolierung bekommen hat; meistens um die 20-30mm Isoliermaterial. Hecktüren, Schiebetür und Fahrerhaus sind i.d.R. aber noch schlechter bis gar nicht isoliert.

Jetzt gibt es für die Türen und für das Fahrerhaus zusätzliche Isomatten, die man entweder innen oder außen anbringen kann.

Wir haben eine zusätzliche Isoliermatte für die Hecktüren (als Bestandteil des Winterpakets der D-Linie) sowie eine zusätzliche Isoliermatte für die Frontscheibe, die außen aufliegt.

Gerade die Isomatte für die Frontscheibe verhindert sehr gut die Feuchtigkeitsbildung im Innern der Fahrerhauskabine.

Obwohl vorhanden, haben wir trotz tiefen Minusgraden die Hecktürisomatte noch nicht gebraucht. Allerdings ist das Bett unseres Roadstar 640DK mit über 150cm auch sehr breit, so dass man immer genügend Abstand zu den Hecktüren halten kann.

Das Fahrerhaus ist in jedem Fall deutlich kälter als der Bereich um die Dinette. Um hier das Einströmen von Kaltluft zu vermeiden, lohnt es sich, die Lüftung auf Umluft zu schalten. Damit wird vermieden, dass kalte Luft von draußen durch die Luftausströmer gedrückt wird. Zusätzlich kann man die Luftausströmer auch noch verschließen. Wem es im Fahrerhaus trotzdem noch zu kalt wird, der kann im Fußraumbereich noch Isoliermatten anbringen. Für uns war es bislang noch nicht relevant. Wir heizen einfach den restlichen Kasten auf etwas höhere Temperaturen und so ist der Fußraum auch nicht eisekalt.

Im Bereich der Schiebetür, zwischen B-Säule und Küchenblock gebietet ein Zugluftdackel der kalten Luft genügend Einhalt.

Da wir von vornherein auch im Winter mit dem Fruchtstück auf Tour gehen wollten, war für uns klar, dass wir das Pössl-Winterpaket für unseren Kasten brauchen. Neben der oben schon erwähnten Isomatte für die Hecktüren besteht dieses aus einem isolierten und beheizten Abwassertank sowie beheizten Abwasserleitungen zum Abwassertank.

Das ist deshalb so wichtig, da der Abwassertank inkl. zugehöriger Leitungen unter dem Fahrzeug angebracht ist. Abwassertank- und Rohrheizung haben separate Thermostate und verbrauchen natürlich richtig viel Strom. Jede Heizung braucht zwischen 9A und 11A. Die Steuerung ist bei der D-Linie i.d.R. in der Sitztruhe untergebracht.

Der Schalter zu Aktivierung der Heizung ist ein unbeschrifteter Schalter über der Schiebetür. Aufgrund des hohen Strombedarfs bedeutet das natürlich auch, dass man mit der verfügbaren Kapazität der Aufbaubatterien nicht wirklich weit kommt. Man benötigt also in jedem Fall Landstrom, um so eine Heizung sinnvoll nutzen zu können.

Das war uns aber klar. Auch, wenn wir normalerweise am Stellplatz generell ohne Landstrom auskommen, wird es im Winter trotz 200Wp Solar schon etwas enger, denn wir heizen den Kasten immer auf angenehme Temperaturen und der Kompressorkühlschrank hat auch seinen Bedarf. Somit werden im Winter nach Möglichkeit Stellplätze mit Landstromanschluss angefahren.

Jetzt könnte man natürlich auch ohne jedwede Abwassertankheizung auskommen und einfach einen Eimer unter den Kasten stellen. Für uns ist das allerdings nichts, denn wir möchten Sommer wie Winter den gleichen Komfort nutzen. Also jeden Tag duschen, abwaschen etc. ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob der Eimer unter dem Fahrzeug entleert werden muss o.ä..

Bzgl. des Frischwassers muss man sich im Winter keine Sorgen machen. Der Frischwassertank befindet sich ja im Fahrzeug. Wenn also im Kasten eine gewisse Mindesttemperatur eingehalten wird, dann öffnet weder das Frostschutzventil noch friert der Tankinhalt vom Frischwassertank ein. Dazu bei trägt auch noch, dass es zwischen Frischwassertank und Blechaußenseite einen Heizschlauch gibt, der dafür sorgt, dass die Außenkälte sich nicht direkt an den Wassertank überträgt.

Der Heizungsschlauch befindet sich zwischen Kastenwagenwand und Frischwassertank im Bereich des rot markierten Bereichs ca. auf halber Tankhöhe.
Oben die Blechwand vom Kastenwagen, dann der Heizungsschlauch und darunter die Rückwand vom Frischwassertank.

Unter den Küchenschubladen gibt es auch einen Heizungsschlauch mit Warmluftausströmern, so dass es von dort nicht fusskalt über den Boden ziehen kann und gleichzeitig Abwasserleitungen und Wasserinstallation bei aktiver Heizungsfunktion nicht einfrieren können.

Die Heizungsschläuche kommen über die Schwelle von der Truma Heizung. Im rot markierten Bereich erfolgt die Auftrennung.
Der eine Schlauch geht in Richtung Küche. Der andere Schlauch ist für den Frischwassertank.
Bei ausgebauter Küchenschublade kann man gut das Heizungsrohr sehen.

Im Winter sollte man allerdings damit rechnen, dass auf vielen Stellplätzen das Wasser abgedreht ist und sich ein Nachtanken etwas schwieriger gestaltet. Also für den Wintereinsatz immer eine Gießkanne dabei haben, um bei Bedarf Wasser aus den Sanitäranlagen zu holen.

Nun zur Heizung. Wir haben uns bewußt für eine Dieselheizung entschieden. Diese hat den Vorteil, dass man, wenn man genügend Sprit im Tank hat, es auch generell schön warm bekommt. Der Nachteil der Dieselheizung ist, dass sie ein wenig mehr Strom als die Gasheizung benötigt.

Allerdings sollte man als Nutzer einer Gasheizung im Winter immer zwei Flaschen dabei haben. Auch eine automatische Umschaltung zwischen den beiden Flaschen ist zu empfehlen (z.B. Duo-Control), denn nach Murphy wird eine Gasflasche immer mitten in der Nacht leer und die Begeisterung bei tiefen Minusgraden dann aufzustehen und rauszugehen, um die Gasflasche zu wechseln wird sich sicherlich in Grenzen halten.

Es empfiehlt sich auch für die Heizung die elektronische Steuerung CP+ mit einzubauen. So kann man nachts die Innenraumtemperaturen zum Schlafen absenken und morgens trotzdem in einem schön warmen Kasten aufstehen.

Zum Abschluss noch ein Tipp zur Trittstufe: Wenn man Probleme vermeiden möchte, dann sollte man die Trittstufe im Winter eingefahren lassen oder sie zumindest nach der Nutzung oder über Nacht wieder einfahren, denn wenn es plötzlich schneit, Eisregen o.ä. gibt, dann kann es schnell passieren, dass sie nicht mehr eingefahren werden kann und deswegen sich die Weiterfahrt verzögert.

Mit der nötigen Vorbereitung und einiger technischer Unterstützung ist somit ein Wintercamping mit dem Kastenwagen uneingeschränkt möglich.

[Erstellt am 18.09.2018; letzte Aktualisierung am 10.03.2019]

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