Fruchtstück

Ein Besuch bei Carsten Stäbler

Ein beliebtes Thema bei Reisemobilen und somit auch bei Kastenwagen ist die Federung bzw. der Federungskomfort. Beim Fiat-Maxi-Fahrwerk kommt erschwerend hinzu, dass der Kasten vorne immer etwas tiefer als hinten ist, d.h. bei einem Querschläfer wie dem Unseren, es immer eine leichte Tendenz zum Herausrollen aus dem Bett gibt.

Die angebotenen Lösungen beziehen sich in der Regel auf eine Zusatzluftfederung (ZLF) an der Hinterachse und Austausch der Schraubenfedern gegen stärkere Varianten an der Vorderachse.

Der Austausch der Schraubenfedern bewirkt zusätzlich, dass dadurch der Kasten vorne deutlich angehoben wird und danach wieder gerade steht.

Die ZLF wird an der Hinterachse anstelle der dort befindlichen Polymerdämpfer eingebaut. Der Vorteil der ZLF ist, dass man mit Hilfe eines kleinen Kompressors die neu eingebauten Bälge zwischen 0,5 und 8 Bar aufpumpen kann und somit auch einen Höhenunterschied (sogar einseitig) ausgleichen kann. Damit dürften die sonst mitgeführten Auffahrkeile mehrheitlich nicht mehr notwendig sein.

Nun gibt es verschiedenste Anbieter, die diese Zusatzfedern sowie die ZLF in die Reisemobile einbauen. Wir haben uns für das Unternehmen Carsten Stäbler in Waghäusel (Baden) entschieden, da wir nur Gutes über die Arbeitsleistung gehört haben.

Den Termin hatten wir langfristig mit Carsten Stäbler abgestimmt, so dass wir den Umbau danch mit einem Urlaub in der nahen Pfalz verbinden konnten.

Carsten Stäbler vergibt pro Tag zwei Zeitfenster, so dass man zwischen Vor- und Nachmittag wählen kann. Wir entschieden uns für einen Vormittagstermin (ab 8:00 Uhr) und sind am Vortag angereist. Auf dem Hof von Carsten Stäbler ist eine Übernachtung kein Problem. Wir kamen an einem Donnerstag gegen 17:00 Uhr an und waren dann leicht schockiert, was für ein Betrieb dort herrschte. Wir haben gerade noch den letztmöglichen Stellplatz auf dem Hof ergattert.

Alle sechs Tore waren noch doppelttief mit Reisemobilen belegt. Der Laden brummte.

Den Abend verbrachten wir dann mit interessanten Gesprächen mit anderen Reisemobilisten. Am nächsten Morgen ging es pünktlich um 8:00 Uhr in die Werkstatthalle.

Der Mechaniker hatte zuvor schon seinen mit allen benötigten Teilen befüllten Werkstattwagen bereitgestellt, so dass ohne weitere Verzögerungen der Umbau beginnen konnte.

Gestartet wurde mit der Vorderachse. Die vorhandenen Schraubenfedern sollten gegen neue M11 Schraubenfedern von Goldschmitt getauscht werden. Dass dazu das halbe Armaturenbrett auseinandergebaut werden muss, hat uns dann doch überrascht. Aber an die Verschraubung der Stoßdämpfer kommt man nur durch das Armaturenbrett. Dem aber nicht genug. Auch der linke Scheinwerfer wurde noch ausgebaut (weil man dann später besser die Luftschläuche aus dem Motorraum ins Cockpit verlegen kann).

Auf den nachfolgenden Bildern sieht man schön die Zerlegung des Cockpits. Weiterhin wurde noch die Verkleidung der Trittstufe entfernt, da sich dahinter der Montageort für den Kompressor befindet.

Dann ging es auch schon ein wenig in die Höhe.

Die Vorderräder wurden abmontiert und die Achskonstruktion vom Stoßdämpfer gelöst, so dass man diese ausbauen konnte

Dann wurden die Schraubenfedern gegen die neuen M11 von Goldschmitt getauscht und das ganze Konstrukt wieder eingebaut.

Damit war das Thema Vorderachse dann auch erledigt und es ging an die Hinterachse.

Zuerst wurden die Polymerdämpfer ausgebaut und in den Müll befördert.

Zur Sicherung wurde die Hinterachse abgestützt.

Dann begann der Einbau der 8″ Luftbälge und der Anschluss der Luftschläuche.

Die Luftschläuche (farblich pro Seite separiert) wurden unter dem Wagen bis in den Motorraum verlegt. Von dort wurde eine kleine Bohrung hinter dem Montageplatz der Steuereinheit im Armaturenbrett gemacht und die Luftschläuche entsprechend durchgeführt.

Die Steuereinheit befindet sich links neben dem Armaturenbrett. Das kleine, bislang dort vorhandene Ablagefach, entfällt. Von der Steuereinheit geht ein zusätzlicher Luftschlauch zum Kompressor in der Trittstufe.

Im nächsten Bild sieht man den fertig angeschlossenen und elektrisch verdrahteten Kompressor.

Im Sicherungskasten wurde eine zusätzliche Sicherung für den Kompressor verbaut. Weiterhin kann man schön die beiden Manometer für den linken und rechten Balg sowie die beiden Wippschalter erkennen. Bei der Lösung von Carsten Stäbler kann man links und rechts getrennt befüllen als auch getrennt ablassen.

Danach wurden alle Komponenten wieder zusammengebaut. Es sind keine Teile übrig geblieben. Fehlte nur noch der Sachverständige, der das Gutachten erstellt, so dass eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere bei der Zulassungsstelle erfolgen kann.

Um 13:00 Uhr war alles fertig, die Rechnung bezahlt und wir konnten unseren Urlaub richtig beginnen.

Natürlich haben wir die neue Technik im Urlaub intensiv getestet.

Der erste extrem positive Effekt ist, dass der Kasten jetzt endlich gerade steht. Wenn also ein Stellplatz gerade ist, braucht man gar nichts mehr machen. Sollte der Stellplatz einen kleinen Höhenunterschied haben, kann man das mit der ZLF ausgleichen. Das Delta an Höhenunterschied zwischen 0,5 und 8 Bar beträgt 6cm. Wenn man mit ca. 2 Bar fährt und auf 0,5 Bar ablässt, geht der Kasten hinten um ca. 1,5cm runter und steht gerade. Oder aber, man pumpt beide oder nur einen Balg auf und kann leichte Schräglagen der Stellplätze ausgleichen. Im gesamten folgenden Urlaub haben wir es immer geschafft, das Fruchtstück zu 100% gerade auszurichten, ohne dafür Keile zu bemühen.

Der zweite Effekt ist, dass es im Kasten deutlich weniger klappert. Hier machen sich die neuen Federelemente deutlich bemerkbar.

Somit war der Umbau ein voller Erfolg und wir sind froh, es gemacht zu haben.

 

 

5 Kommentare zu “Ein Besuch bei Carsten Stäbler

  1. Martin Autor des Beitrags

    Nein, Waghäusel-Kirrlach ist schon der korrekte Ort. Einfach mal danach googeln. Und für das, was wir beschrieben haben sind ca. 2k€ notwendig. Aber genaue Details und Preise bekommt man von Herrn Stäbler. Einfach mal anrufen.

  2. Tonicek Schwamberger

    Darf ich fragen, was der Spaß gekostet hat ? – Ich war der Ansicht, Stäbler ist in Waldürn ?

  3. Jens

    Schöner Bericht Martin!
    Eure Erfahrungen decken sich mit unseren (Einbau bei Goldschmitt).
    Toller Fahrkomfort und viel Mehr Ruhe in der Hütte.
    Danke und Grüsse
    Jens

  4. Martin Autor des Beitrags

    Na dann habe ich mal das fehlende „e“ eingefügt und die geographische Lage angepasst.

  5. Uli K.

    Hallo,

    „Waghäusl“ heißt „Waghäuse“l und liegt nicht in der Pfalz, sondern in Baden, genau auf halbem Weg zwischen Mannheim und Karlsruhe.
    Ich habe mir die ZLf der HA auch bei Stäbler einbauen lassen und kann die Firma nur empfehlen.

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