Fruchtstück

Einbau der Trenntoilette

Der Umbau kann beginnen

Die Entscheidung war gefallen, die Trenntoilette sollte eingebaut werden. Da die fertigen Versionen, die man kaufen kann, leider von den Maßen nicht in den Kastenwagen passen, musste also ein Eigenbau her.

Wer zuerst noch ein wenig mehr über die Grundlagen erfahren möchte, kann diesem Link folgen.

Badgeometrie

Bei den Kastenwagen unterscheidet man zwischen normalen Bad und Raumbad. Unser Roadstar 640DK hat ein sog. Raumbad – in unserem Fall sogar ein besonders großes, da die Dusche nicht in der Gangmitte sondern auf der gegenüberliegenden Seite ist. Unsere Konstruktion sollte aber nicht nur in den Roadstar 640DK sondern vom Konzept und auch größtenteils von den Maßen in andere Pössl Kastenwagen passen, die ein ähnliches Bad (evtl. auch spiegelverkehrt) haben. Das sind der 2WIN R, der Roadstar 600W, der Roadcruiser und der Roadcruiser Revolution. Da wir die exakten Maße vom Raumbad nicht vorab hatten, wurde die Konstruktion „on the fly“ direkt im Kasten entwickelt. Um überhaupt beginnen zu können, musste somit die vorhandene Toilette entfernt werden.

Die Rahmenkonstruktion

Aus Vierkanthölzern haben wir zuerst eine passgenaue Rahmenkonstruktion erstellt, die wir verleimt und an den Rückwänden auch mit dem vorhandenen Wohnmobilausbau verschraubt. haben. Damit das Loch in den Zwischenboden nicht offen bleibt, haben wir zusätzlich eine kleine Holzplatte aus Pappelsperrholz als Boden eingelegt.

Die Toilettenbrille

Vom Hersteller Separett kann man eine Brille mit Trenneinheit kaufen. Hierbei handelt es sich um die Separett Privy 50x, in den Ausführungen mit Styroporbrille und Deckel (Privy 500), Kunststoffbrille (Privy 501)oder Holzbrille mit Deckel (Privy 503). Wir haben uns für die Holzversion Privy 503 entschieden, da sie für unsere Zwecke am besten geeignet war. Auch wenn der separate Deckel vielleicht nicht ganz so schön wie eine normale Brille aussieht – aber gerade bei der Überecklösung und den beengten Platzverhältnissen ist der Klappdeckel einer normalen Brille vorzuziehen.

Im Bild sieht man die Abscheideeinheit, bereits eingesetzt in die „Sitzbankplatte“.

Die Holzbrille von unten liegt einfach nur auf dem Plastikteil über vier Stifte auf. Da wir aber aus optischen- und aus Platzgründen die Brille um 180° gedreht haben, mussten wir neue Fixierungslöcher bohren.

Das Bild zeigt die Bankplatte mit dem Abscheider und aufgelegter Holzbrille. Sowohl die Holzbrille als auch der Abscheider wurden an die beengten Verhältnisse angepasst und zurechtgesägt.

Die Auffangbehälter

Leider haben wir keinen fertigen Feststoffbehälter gefunden. Zurechtgeschnittene Mülleimer vom schwedischen Möbelhaus haben dann doch nicht perfekt gepasst. So haben wir uns einen Behälter aus Pappelsperrholz selbst gebaut.

In den Behälter kommen später ganz normale (schwarze) Müllbeutel, die dann in den Restmüll entsorgt werden können.

Für Urin haben wir zwei 10 Liter Kanister besorgt, wie sie in jedem Campingladen angeboten werden. Wichtig ist, dass der Kanister eine kleine zweite Öffnung hat, da dies die Entleerung absolut vereinfacht und es ohne jegliches Spritzen oder Kleckern über die Bühne geht.

Beides zusammen findet in der Holzkonstruktion Platz und wird über kleine Fixierungen (im Bild nicht sichtbar) an Ort und Stelle gehalten.

Damit der Einlauf aus dem Abscheider vo Separett genau in den Kanisterdeckel passt, haben wir diesen ausgeschnitten und einfach aus der Kücheninstallationsabteilung ein Dichtungsmuffe für Rohrleitungen eingebaut.

Nach ersten Versuchen zeigte sich, dass es besser wäre, wenn man innen noch einen kleinen Winkel anbauen würde. Das verringert das Plätschergeräusch und verhindert auch wirksam ein „Herausschwappen“ während der Fahrt.

Die Finalisierung

Jetzt war alles bereit, komplett eingebaut zu werden.

Die komplette Einheit mit Brille und Separett sowie Bank kann zu Wartungszwecken einfach hochgeklappt werden. Auf ursprünglich geplante Scharniere haben wir verzichtet, da die aktuelle Lösung auch so absolut zufriedenstellend funktioniert.

Hier ist gut die gesamte Konstruktion inkl. Blick in den Feststoffbehälter (noch ohne Müllbeutel) zu sehen.

Der Deckel wurde noch mit ein paar Schaumstofffüßen versehen, so dass er während der Fahrt auf holpriger Straße keine Klappergeräusche produziert.

Zum Schluss wurde die ganze Konstruktion noch in einem ähnlichen Holzdekor foliert, so dass die ganze Trenntoilette stimmig in das gesamte Bad passt.

Die Langzeiterfahrung

Wir haben den Umbau nicht bereut. Zu Anfang dachten wir, dass wir noch eine zusätzliche Lüftung einbauen müssen, die die Gerüche nach außen trägt. Dem ist aber nicht so. Die Toilette an sich stinkt nicht – auch nicht bei hohen Temperaturen im Kasten. Als Abdeckmaterial verwenden wir einfaches Tierstreu. Und sollte der Inhalt vom Feststoffbehälter evtl. doch einmal etwas ausdünsten, wird halt kurzfristig ein neuer Restmüllbeutel eingelegt. Für den Urinkanister haben wir noch einen zweiten als Reserve dabei, falls es mal keinerlei Möglichkeit zur Entsorgung gibt. Je nachdem, wieviel Flüssigkeiten man ausscheidet, hält ein Kanister zwischen 2 bis 4 Tagen. Wir sind auf jeden Fall froh, nicht mehr in regelmäßigen Abständen zu einer Sanistation laufen zu müssen, um eine Kassette zu entleeren, da man den Kanister auf jeder Toilette oder in jedem Grauwasserablass ausgießen kann. Außerdem kommen wir ohne jedwede Chemie aus.

 

 

3 Kommentare zu “Einbau der Trenntoilette

  1. Rittmeister-Gaßner Pauline

    Auch von mir (Kastenwagen Knaus Solution) Kompliment an diese informative Seite. Ich habe letzte Woche meine Kassettentoilette ausgebaut, werde mir aber aus Platzgründen die TTT von Airhead einbauen.
    @ Christoph – ich plane an den vorhandenen Wasserschlauch eine Gardena Handdusche o.ä. Zu installieren (nur Kaltwasser) dann kann man sich bei grosser Hitze erfrischen. 😌Stehe selten auf Cp. Liebe Grüsse aus dem Chiemgau. Pauline

  2. Martin Autor des Beitrags

    Hi Christoph,
    danke für das Lob. Bzgl. des Schlauchs ist es wirklich so, dass wir den nur verschlossen und an der Wand ein wenig befestigt haben. Ist hinsichtlich Frost nicht die optimsle Lösung. Da wir aber den Kasten das ganze Jahr nutzen, ist er immer ausreichend beheizt, so dass es kein Problem ist. In der ehemaligen Toilettenklappe liegt jetzt unser Landstromkabel.
    VG Martin

  3. Christoph

    Hallo Bettina und Martin,
    zunächst mal: eure Seite ist sehr gut strukturiert, dadurch übersichtlich, sehr informativ und prima geschrieben. Beim Lesen fallen mir ganz viele Parallelen zu unseren Gedanken und Wünschen bezüglich der Ausstattung unseres Kastenwagens auf.
    Ihr habt euer Fruchtstück schon drei Monate länger. Unser Roadstar, mit dem wir übrigens auch sehr zufrieden sind, kam im Juli 2017. Viele Verbesserungsmöglichkeiten gab es eigentlich nicht, selbst wenn man immer auf Optimierungssuche geht. 😉 Der Umbau zur Trockentoilette reizt mich allerdings sehr und eure Fotostrecke zum Umbau hat mir gut gefallen.
    Wie habt ihr denn das Problem mit der überflüssigen Wasserzuleitung gelöst? Baumelt dort nun ein abgeklemmter Schlauch in der Verkleidung herum? Oder gibt es eine elegantere Lösung?
    Liebe Grüße vom Niederrhein
    Christoph

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